Zur Historie von Heimatwerk in Europa

Die Heimatwerke in den österreichischen Bundesländern und auch in der angrenzenden  Schweiz sind als Handels- bzw. Gewerbeunternehmen und als Kulturinstitutionen vielen Menschen als Qualitätsmarke ein Begriff. Sie werden je nach Schwerpunktsetzung in unterschiedlicher Weise mit volks- bzw. regionalkulturellen Äußerungen in Verbindung gebracht. Gestaltendes Handwerk, heimische Tracht, Volksmusik und Bräuche stehen in engem Zusammenhang mit den seit vielen Jahrzehnten existierenden Einrichtungen. Wie sind diese Heimatwerke in Zentraleuropa entstanden? Warum heißen sie so? Gibt es auch in anderen Ländern so etwas wie „Heimatwerke“?

Der Name "Heimatwerk"

„Heimatwerk“ ist eine Wortschöpfung, welche der Kaufbeurer Kurat Christian Frank (1867-1942) für sich als Urheber beanspruchte. In der von ihm herausgegebenen Zeitschrift "Deutsche Gaue", die im gesamten deutschen Sprachtraum verbreitet war, gab es 1907 und 1908 eine Rubrik mit der Bezeichnung „Das Heimat-Werk“. Ab 1909 wurde diese auf „Unser Heimatwerk“ umbenannt. 1912 wurde das „Heimatwerk“  von Kurat Frank als eine „Zentralstelle für Heimat- und Volkskunde“ von „Vertretern von Heimatschutzvereinen ec. besonders aus Württemberg und Österreich“ besucht und eingehend „studiert“.

In diesem Zusammenhang ist eine 1921 von Viktor von Geramb (1884-1958) verfasste „großdeutsche“ Weihnachtsgabe mit dem Titel „Heimatarbeit in Österreich“ interessant. Wie Kurat Frank verband auch Geramb ein heimatschützendes Interesse mit großdeutschen Kulturideen. Bestandteil von Gerambs „Heimatarbeit“ wurde 1934 die Gründung des ersten Heimatwerkes in Österreich als „Heimatwerk des Steirischen Volkskundemuseums“ in Graz. Diese Beratungs- und Verkaufsstelle für Volkskunst, Tracht und Hausgewerbe verband die Bestrebungen des Kaufbeurer Anstaltsgeistlichen Kurat Christian Frank mit den Zielsetzungen der in der Schweiz eingerichteten Heimatwerk „Absatzgenossenschaft für Folklore-Fabrikate“.

Der Begriff Heimatwerk wurde auch für Schriftenreihen verwendet wie „Heimatwerk Sudetenland“ (1925), Coburg-Eisfelder Heimatwerk (1951), Siebenbürgisch-Deutsches Heimatwerk (1957), auch für religiöse Verbände wie Katholisches Heimatwerk (1933), Heimatwerk der Katholiken aus der freien Prälatur Schneidemühl e.V. oder auch die Heimatwerk Hannover eG als Wohnungsgenossenschaft. Zusammenfassend gesehen wurde der Name Heimatwerk immer verwendet, wenn die ideelle oder reale Heimat bedroht erschien.

Das skandinavische Vorbild

Im Zusammenhang mit der Gründung der zentraleuropäischen Heimatwerke wird immer vom Vorbild der skandinavischen Einrichtungen, vornehmlich von Schweden gesprochen. Die „skandinavische Hausfleißbewegung“ entwickelte sich um 1870. Den Anstoß dazu gab laut Kai Detlev Sievers der österreichische Kunsthistoriker Jacob von Falke (1825-1987). Schweden war um diese Zeit bereits internationaler Vorreiter in der Ausbildung von Handfertigkeits-Lehrerinnen und der Einrichtung von „Handfertigkeitssschulen“.

1899 wurde von Lilly Zickermann ein „Sozialwerk zur Rettung des schwedischen Hausgewerbes“ begründet, welcher nach Ansicht von Franz Lipp sehr eng und parallel mit dem Werkbund arbeitete. In Norwegen (ab 1867) und Dänemark (ab 1879)  wurden landesweit „Husfliden“- Organisationen für die Herstellung  und den Verkauf von handwerklichen und kunsthandwerklichen Produkten initiiert. 1913 wurde auch in Finnland ein Zentralverband gegründet. Ähnliche Bemühungen im an Dänemark angrenzenden Deutschland blieben nur Stückwerk und fanden kein öffentliches Interesse. Erst nach 1909 änderte sich diese Auffassung.

Parallel zur Hausfleißbewegung sollte auch die der Freilichtmuseen betrachtet werden. 1891 erfolgte die Gründung des ersten Freilichtmuseums in Schweden von Arthur Hazelius. Er wollte in seinem Museum mit Folklore-Veranstaltungen und der Förderung schöpferischer Handarbeit  pädagogische Arbeit leisten.

1924 gab es erste Ideen und Vorstellungen zu einem Freilichtmuseum in Salzburg durch  SMCA Dir. Julius Leisching, ebenso in etwa  derselben Zeit in Sachsen durch Oskar Seiffert. Viktor von Geramb, welcher durch das Heimatschutz – Netzwerk von den Bestrebungen wusste und sich 1928 eigenen Angaben zufolge an den Einrichtungen in Holstein, der Schweiz und Skandinavien orientierte, wollte nach schwedischem Vorbild in Graz einen Steirischen Volkspark schaffen, der wie das ganze Volkskundemuseum und das Heimatwerk der lebendigen steirischen Volkskultur dienen sollte. Die romantischen Ideen ließen sich nicht verwirklichen. Im Jahr 1962 wurde das Österreichische Freilichtmuseum in Stübing begründet. Das 1984 eröffnete Salzburger Freilichtmuseum schaffte neben der klassischen Vermittlung eine „Belebung“ des Museums mit Aktivitäten nach schwedischem Vorbild. Mittlerweile sind alle Freilichtmuseen in Österreich um verstärkten Erlebnischarakter und pädagogisch aufbereitete Vermittlungen nach schwedischem Vorbild bemüht.

Das Schweizer Heimatwerk

Aufgrund der wirtschaftlichen Notlage der Bergbevölkerung gab es in der Schweiz bereits um 1925 Bemühungen, Absatzmöglichkeiten für bäuerliche Volkskunst zu erschließen. So gab es z.B. in St. Gallen eine „Verkaufsstelle für Volkskunst und nationales Handwerk“ von Laura Weigmann, die bald darauf unter dem Namen „Heimatwerk“ firmierte, ein „Heimarbeitswerk“ in Winterthur von Lucie Wolfer-Sulzer, eine „Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit“ in Bern, einen „Verein für Heimarbeit im Berner Oberland“, eine Verkaufsgenossenschaft vom Schweizer Heimatschutz, welche 1929 aufgelöst wurde  u.a.m.

1930 wurde im Auftrag des Bundesrates ein staatlich gefördertes „gemein-schweizerisches Unternehmen“ Schweizer Heimatwerk als Abteilung des Bauernverbandes mit Sekretär bzw. Direktor Ernst Laur-Schaffner (1871-1964) nach skandinavischem Vorbild eingerichtet. Es hatte die Aufgabe, eine dem „Bergvolk“ lehrbare Handwerks-und Heimatkultur hervorzubringen und die während des Winters in Heimarbeit hergestellten Waren zu vermarkten. Das Unternehmen hatte drei Säulen, eine Zentralstelle für bäuerliche Heimarbeit und ländliche Wohlfahrtspflege, eine Lehr- und Musterwerkstätte für Handweberei usw. in Brugg und das Schweizer Heimatwerk – Verkaufsstelle „Heimethuus“ in  Zürich ab Anfang Mai 1930, betrieben von Ernst Laur (1896-1983) und Gattin Agnes Laur-Bösch (1899-1990).

Die Bezeichnung „Heimatwerk“ übernahm man mit Zustimmung von Laura Weigmann von ihrem gleichnamigen Laden in St. Gallen. Der Name Heimatwerk wurde in einer Runde Gleichgesinnter wie ein zündender Funke als schweizerisch-deutsche Übersetzung des schwedischen „Hemslöjd“ gesehen, ursprünglich ein Begriff für eine „zuhause ausgeführte handwerkliche Tätigkeit“. Somit war zum  skandinavischen Vorbild auch die namentliche Verwandtschaft gegeben.

Die im Jahre 1931 abgehaltene Ausstellung „Schweizer Heimatwerk“, wo für „bergbäuerliche Winterarbeiten“ und deren Absatz in sechs bereits bestehenden Läden geworben wurde, erregte internationale Aufmerksamkeit, vor allem auch in Deutschland und Österreich, wie nachfolgende Entwicklungen zeigen werden. Auf Grundlage der am 9.4.1934 verabschiedeten Statuten löste sich das SHW organisatorisch vom Bauernverband und wurde eine eigenständige Genossenschaft. Der Bauernverband blieb jedoch lange Zeit wichtigstes Genossenschaftsmitglied. Mit Einwilligung vom Schweizer Heimatwerk firmierten bald  weitere Betriebe auf eigene Verantwortung und Rechnung unter dem Namen „Heimatwerk“. Heute würde man „Franchisenehmer“ dazu sagen.

1944 beteiligte sich das Schweizer Heimatwerk an der Gründung der Schweizer Berghilfe. 1952/53 wurde der Verkaufsstandort am Flughafen Zürich Kloten eröffnet. 1989 erfolgte der Zusammenschluss der regionalen Heimatwerke zu einer Interessensgemeinschaft, die sich seit 1996 Vereinigung der Heimatwerke in der Schweiz nennt. Martin Stüssi war ein langjähriger Leiter der Genossenschaft und engagierter Motor des Verbandes Europäisches Heimatwerk. Die Genossenschaft Schweizer Heimatwerk heute wird nicht vom Bund subventioniert und  betreibt sieben Verkaufsstellen mit ausgewählten Schweizer Geschenks-Ideen und Souvenirs „Made in Switzerland“. Vorsitzende der Geschäftsleitung ist heute Erika Mathis-Brassel. Das Schweizer Heimatwerk ist gegenwärtig nicht Mitglied im Kuratorium Europäisches Heimatwerk.

Das Deutsche Heimatwerk (1933-1958)

Im Jahr 1933 wurde die GmbH „Deutsches Heimatwerk“ gegründet. Doch bereits Jahrzehnte zuvor gab es in   Deutschland bereits Bestrebungen zur Verbreitung von Volkskunst. In Bayern wurden z.B. ab 1901 Märkte und Ausstellungen mit Produkten „volkstümlicher Hauskunst“ beschickt. Dazu gehörten etwa das Magdalenenfest in Nymphenburg, das Oktoberfest in München, diverse Christkindlmärkte u.a.m.

Im Jahr 1905 wurde ein Ausschuss „zur Wiederbelebung alter Gewerbe und Hausindustrie“ eingerichtet.
Erfolgreiche Verkaufsausstellungen folgten und 1910 wurde vom Bayerischen Verein für Volkskunst und Volkskunde ein Geschäft namens „Heimatkunst“ in München eröffnet, welches 1912 jedoch bereits wieder geschlossen wurde.

In Sachsen veranstaltete der Verein für Sächsische Volkskunde im Sommer 1896 in Dresden die „Ausstellung Sächsischen Handwerks und Kunstgewerbes“. Eng damit verbunden ist der Museumsleiter Oskar Seyffert (1862-1940). Er galt in Österreich lange als Begründer des „ältesten Heimatwerks“, obwohl er ein Geschäft oder eine Genossenschaft dieses Namens nie unterhalten hatte! Korrekter scheint mir zu sein, dass er im Sinne der Heimatwerk-Idee die Erzgebirge-Hausindustrie im Jahre 1924 begründete. Als Vorstufe zur Gründung der Deutschen Heimatwerk GmbH können zwei Ausstellungen gesehen werden. 1932 „Volkskunst, Hausfleiß und Handwerk“ in Berlin und Breslau.

1932 gab es erste Bemühungen, ein „Schlesisches Heimatwerk“ zu gründen. Die Aufgabenstellung ging in drei Richtungen: 1. Untersuchung der vorhandenen Werkstätten und Betriebe auf dem Gebiet von Volkskunst, Hausfleiß und Handwerk. 2. Förderung durch Beratung und Zusammenfassung der Produktion und Absatzförderung und  3. Einbau in die Bestrebungen für eine produktive Grenzdeutschtums- und Heimatpflege.

1933 fand eine „Deutsches Heimatwerk – Ausstellung für Volkskunst und bodenständiges Handwerk“ als Verkaufsausstellung der „Vereinigung Volkskunst und Handwerk“ in Berlin statt. Initiatoren waren Hans Kaiser und Erich Ziegert, unterstützt von nationalsozialistischen Verbänden. Zweck der Ausstellung war, Käufer und politische Unterstützung für das Heimatwerk zu finden. Das Heimatwerk würde helfen „aus Volkstum und Heimat die deutsche Volksgemeinschaft“ zu verwirklichen.

Ab der Machtergreifung (30.1.1933) durch die Nationalsozialisten gab es bereits Bestrebungen zur Errichtung eines reichsweiten, nationalsozialistischen Heimatwerkes für bodenständiges Handwerk und Volkskunst. Am 4.12.1934 wurde das Deutsche Heimatwerk mit Sitz in Berlin als gemeinnützige GmbH genehmigt und am 22.1.1935 im Notariatsregister eingetragen. Als Geschäftsführer fungierten Hans Kaiser und Erich Ziegert. Langfristig plante der Reichsnährstand (ab 1936 alleiniger Gesellschafter), in jeder Landesbauernschaft eine Landeszweigstelle des DHW mit „Erzeugnissen bäuerlicher Volkskunst“ einzurichten.

Geschäftsführer wurden Hans Kaiser und der überzeugte Nationalsozialist Erich Ziegert. Die Beziehungen zu Heimatwerken anderer Länder verliefen im Sande. Das Hauptgeschäft wurde in Berlin eingerichtet, Filialen in München (1937), Breslau und Düsseldorf (1936). Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges kam es zur Gründung des NS „Heimatwerk Ostpreußen“. Die Zielsetzungen lagen ähnlich wie beim Tiroler Heimatwerk oder bei den skandinavischen Hausfleiß-Einrichtungen. Im Sudetenland entstand 1939 ebenfalls ein Heimatwerk. Langfristig sollte dieses dem NS-Heimatwerk Sachsen angegliedert werden.

Weitere Filialen in Salzburg (1940), Straßburg und Weimar (1941). Pläne für eine Wiener, Frankfurter und Warschauer  Niederlassung wurden nicht realisiert. Neben dem Deutschen Heimatwerk existierten in der NS-Zeit noch weitere „Heimatwerke“ und „Heimathäuser“. Heimathäuser dienten der ideellen Kulturpflege, Heimatwerke, diese auch wirtschaftlich umzusetzen. Gauheimatwerke unterstanden dem Gauleiter und entwickelten Programme zur Förderung einer parteikonformen „Heimatkultur“. So ein Gauheimatwerk war auch das 1942 gegründete Heimatwerk Salzburg, das Heimatwerk Sachsen (gegr. 1935),  das Gauheimatwerk Südhannover-Braunschweig (gegr. 1941) u.a.m.

Die Münchner Heimatwerk – Niederlassung existierte vermutlich als einzige bis in die Nachkriegszeit unter neuem Namen „Werkstätten des Deutschen Heimatwerkes – GmbH“. Zu den Kunden zählte u.a. das Salzburger Heimatwerk. Nach dem Willen von Hans Kaiser sollte diese Verkaufsstelle das erste Glied in einer neuen Kette von Heimatwerken in Westdeutschland werden. 1950 ging nach Ausscheiden Kaisers wegen schlechtem Gesundheitszustand die Leitung der „Gesellschaft der Freunde von Heimatwerk und Volkskunst e.V. an Tino Schmitt und Gotthold Schneider über. 1952 wurde das Unternehmen nach einem Konkursverfahren liquidiert. Ein „Kuratorium Deutsches Heimatwerk e.V.“ (gegr. 1950) bemühte sich ebenso wie ein „Warenkontor Deutsches Heimatwerk“ um deren Weiterführung. 1958 ist das Projekt „Deutsches Heimatwerk“ endgültig gescheitert.

Da der Name Heimatwerk anders als in Österreich in Deutschland keine geschützte Marke ist, konnten privatwirtschaftlich orientierte Heimatwerke wie das Münchner Heimatwerk beim Beck am Rathauseck oder ein Bayerisches Heimatwerk in Rosenheim, ein Chiemgauer Heimatwerk, das Tölzer Heimatwerk, das Heimatwerk Amerang und ein Heimatwerk Eggmannsried entstehen, die zum Teil bis heute erfolgreich geführt werden.

Verfasser: Hans Köhl

Quellenhinweise: Monika Luise Ständecke – Das Deutsche Heimatwerk – Idee, Ideologie und Kommerzialisierung  Bayerische Schriften zur Volkskunde Band 8, 2004. Archiv Kuratorium Österreichisches Heimatwerk.

Geschichte der Heimatwerke in den Bundesländern

Die Heimatwerke in Österreich wurden nach skandinavischen, deutschen und schweizer Vorbildern errichtet. Eine erste Gründung erfolgte 1934 durch Viktor von Geramb in Graz, welcher langjährige Kontakte zu Kollegen in Skandinavien, Schweiz und Deutschland hatte. Die Heimatwerk-Idee wurde von Nationalsozialisten mit Heimatwerk-Gründungen im gesamten Reich für ihre Zielsetzungen vereinnahmt. Mit der Zeit nach 1945 begann auch für die Heimatwerke in Österreich eine neue Ära mit neuen Aufgaben und Zielsetzungen. Nachfolgend finden Sie kurze Zusammenfassungen zu den Entwicklungen der Heimatwerke in den diversen Bundesländern.

Das Tiroler Heimatwerk

Der Tiroler Kaufmann und Schriftsteller Kunibert Zimmeter berichtet 1924 im Tiroler Gewerbeblatt über deutsche Schulen, „in denen Handwerker mit künstlerisch wertvollen und gediegenen Vorbildern sowie mit der alten handwerklichen Tradition vertraut gemacht würden“. Gemäß dieser Anregung richtete die 1920 gegründete Landwirtschaftsschule Imst Webkurse ein, dazu kamen Strickkurse im Paznauntal und Kurse an weiteren Orten. Als Absatzeinrichtung bäuerlicher Erzeugnisse wurde am 28. April 1934 die Genossenschaft „Tiroler Hausindustrie“ gegründet. Die Genossenschafter standen in Verbindung mit Victor von Geramb. Für die Bewerbung ihrer Produkte war die Genossenschaft „Tiroler Hausindustrie“ unter anderem bei Messen und Ausstellungen in Wien, München Bozen, Zürich, Innsbruck vertreten. Bei der Pariser Weltausstellung 1939 erzielte die Genossenschaft sogar eine Bronzemedaille für die Strickwaren.

Den Namen „Tiroler Heimatwerk“ erhielt die Genossenschaft im Jahre 1939. Gleichzeitig wurde  das Tätigkeitsfeld der Genossenschaft ausgeweitet. Stand früher die soziale Not der Bergbauern und der Absatz derer Erzeugnisse im Mittelpunkt, wurden diese Interessen ab 1939 zweitrangig. Im September 1939 wurde in Innsbruck die „Mittelstelle Deutsche Tracht“ am Tiroler Volkskunstmuseum mit dem Ziel eingerichtet, Trachten aus allen Regionen des Deutschen Reiches auf Grundlage wissenschaftlicher Dokumentationen systematisch zu erneuern. Nach dem Krieg entwickelte sich das Heimatwerk in der Innsbrucker Meranerstrasse zur bedeutenden Plattform für Tiroler Volkskunst und Tracht. Im Sinne des Gründungsgedankens beschäftigt das Tiroler Heimatwerk als Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft auch heute noch Strickerinnen im Tiroler Oberland. Diese stellen aus Tiroler Schaf- oder Mischwolle in liebevoller Handarbeit Zopfstrümpfe und Socken, Fäustlinge und Fingerhandschuhe sowie Mützen und Westen her.

Das Steirische Heimatwerk


Das Steirische Heimatwerk wurde am 7.7.1934 durch Initiative Victor von Gerambs als „Heimatwerk des Steirischen Volkskundemuseums“ begründet. Im Vorfeld gab es wie auch bei anderen Heimatwerken längere Zeit Bemühungen, Verkaufsstellen einzurichten. So wurde 1915 vom Verein für Heimatschutz in Graz beschlossen, eine „Heimatschutz-Verkaufshalle“ in der „Volkskundlichen Abteilung“ einzurichten, welche 1917 tatsächlich eingerichtet wurde. Dieser erste Schritt sollte 1934 zur Gründung des Heimatwerks führen. 

Geramb gab dem steirischen Kulturleben mit dem „Deutschen Schulverein Südmark“, dem „Verein für Heimatschutz“ und dem „Steirischen Heimatwerk“  entscheidende Impulse. Er gilt als erster Ordinarius für Volkskunde in Österreich (1949). Kaufmännischer Leiter war GD i.R. Gustav Klein, der ehrenamtlich arbeitete. Anders als Laur in der Schweiz setzte sich Geramb und in Folge auch die weiteren österreichischen Heimatwerke in erster Linie nicht mit zeitgenössischem Kunsthandwerk auseinander sondern mit von historischen Vorbildern geprägter „Volkskunst“.

Als Vorstandmitglied des „Österreichischen Verbandes für Heimatpflege“ beteiligte er sich maßgeblich an der Erarbeitung der „Richtlinien für die Trachtenpflege in Österreich“, die 1937 erschienen. Das Heimatwerk erwarb das Recht, eine gesetzlich geschützte Handelsmarke als Qualitäts-Markenzeichen zu führen, ein Etikett mit „gotischem steirischen Panther“, weiß/grün plombierten Faden und der Umschrift“ „Vom Heimatwerk des steirischen Volkskundemuseums empfohlen“. Während der NS-Zeit wurde das Steirische Heimatwerk als eingetragener Verein weitergeführt. Die Geschichte des Steirischen Heimatwerks von 1938-1945 wird u.a. ausführlich von Bernhard Schweighofer in seiner Diplomarbeit (2000, Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie) und in Viktor von Geramb - Leben und Werk, Hg. Michael Greger und Johann Verhovsek (2007, Selbstverlag Verein für Volkskunde)betrachtet.

Das Oberösterreichische Heimatwerk


Am oberösterreichischen Landesmuseum in Linz kam es im Anschluss an die von der Gaustelle für Volkstumsarbeit am 17. Juni 1939 veranstaltete Ausstellung „Bäuerliches Handwerk – Lebendige Volkskunst“ zur Einrichtung des „Heimatwerks Oberdonau“. Treibende Kraft war der Geramb-Schüler und Leiter der Volkskundeabteilung Dr. Franz C. Lipp. Auch er arbeitete wie Geramb mit einer Wertmarke. 1941 wurde in Linz, Landstraße 29 ein Weihnachtsverkauf durchgeführt und in weiterer Folge in der Altstadt Nr. 30 hinter dem Landhaus ein Verkaufs- und Ausstellungsraum eingerichtet werden.

Bereits im Juni 1945 fanden sich private Interessenten für das Geschäftslokal, welches den Verlust dieser Verkaufsstelle zur Folge hatte. Aus den Resten der NS-Heimatwerks Oberdonau gelang es, den „Oberösterreichischen Werkbund“ zu organisieren. Dessen Sitz war in der Volkskunde-Abteilung des O.Ö. Landesmuseums und bildete die Basis für die 1952 gegründete Genossenschaft O.Ö. Heimatwerk. Der bestehende Verein O.Ö. Heimatwerk ändert seinen Namen in O.Ö. Werkbund und setzt seine Tätigkeit fort.“ – so ein Auszug aus Protokollen über die „Heimatwerk – Gründung“. Im Zuge der Reorganisation wurde vom Amt der O.Ö. Landesregierung auf Vorschlag des staatlichen Volksbildungsreferenten Dr. Hans Commenda in ihren Sitzungen vom 23.9. und 26.10.1946 ein eigenes Amt „O.Ö. Heimatwerk“ geschaffen, in welchem alle Bestrebungen der praktischen Volkstumspflege zusammengefasst werden sollten. Die Arbeit dieses Amtes sollte sich in Fachausschüssen vollziehen. Aus den beiden Einrichtungen, diesem O.Ö. Heimatwerk der Landesregierung und dem O.Ö. Werkbund entstand 1952 die Genossenschaft O.Ö. Heimatwerk  

Am 16.2.1952 wurde unter dem Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzenden Franz C. Lipp die reg. Gen. m. b. H Oberösterreichisches Heimatwerk begründet. Für die Form der Genossenschaft und der Satzungen stand das Salzburger Heimatwerk als Genossenschaft bäuerlicher Handwerker Pate.

Erster kaufmännischer Leiter war Dr. Helmuth Huemer. Mit Hilfe der O.Ö. Landesregierung, der Landwirtschafts- und Landarbeiterkammer und der Kammer der Gewerblichen Wirtschaft wurde das erste Geschäftslokal in Linz, Mozartstraße 22 eingerichtet.

1962 wurden Ausstellungs- und Verkaufsräume im Ursulinenkloster an der Landstraße  angemietet. 1966 wurde ein weiteres Verkaufslokal in der Bürgerstrasse 1 für die Wohnraumabteilung angemietet und der Standort Mozartstraße aufgelöst, 1968 wurde eine Trachtenschneiderei eingerichtet.

Im Jahre 2007 wurde die Genossenschaft Oberösterreichisches Heimatwerk von der oberösterreichischen Raiffeisen – Landesorganisation übernommen und wird unter deren Dachorganisation ab 2008 als O.Ö. Heimatwerk Trachten, Tradition & Brauchtum GmbH geführt.

Das Salzburger Heimatwerk

Die heutige Genossenschaft Salzburger Heimatwerk wurde am 26.11.1946 provisorisch als Einrichtung des Landes Salzburg nach dem Vorbild des 1934 eröffneten Steirischen Heimatwerkes gegründet. Als Geschäftsführer wurde Tobi Reiser d. Ä. (1907-1974) bestellt. Der damalige Landeshauptmann DI Albert Hochleitner übergab Reiser im Jahre 1946 einen leer stehenden, ziemlich desolaten Raum im Salzburger Residenz – Neugebäude der Stadt Salzburg, welcher gelegentlich als Abstellraum für Eisenwaren diente und im 19. Jh. noch eine Militär-Hauptwache beherbergte. Nach mehreren Anläufen wurde am 8. April 1948 das Salzburger Heimatwerk als Genossenschaft bäuerlicher Handwerker in das Genossenschaftsregister eingetragen.

Primär sollten vom Heimatwerk die Sachgüter der regionalen bodenständigen Volkskultur, insbesondere Volkskunst und Tracht erhalten und weiten Kreisen der Bevölkerung nahe gebracht werden. Richtschnur dabei war jedoch nicht starres Konservieren, sondern lebendige Anpassung und damit ständige Neuformung. Von mühevollen Anfängen mit einem Startkapital von Schilling 3.500.-- (rund Euro 250.--) und einem Lagerraum, den sonst niemand haben wollte, entwickelte sich das Salzburger Heimatwerk mit dem Salzburger Adventsingen zu einer bedeutenden Unternehmung und Kulturinstitution.

Das Salzburger Heimatwerk heute ist als Kultur- Gewerbe- und Handelsunternehmen eine bedeutende Salzburger Institution. Für seine Leistungen wurde es vom Land Salzburg ausgezeichnet und zur Führung des Landeswappens berechtigt. Es wurde im Jahre 1988 formalrechtlich zu einer registrierten Genossenschaft mit beschränkter Haftung formiert und ist seit 2009 EU – konform eine eingetragene Genossenschaft (e. G.) Die Mitglieder der Genossenschaft erhalten keine Ausschüttung, die Erträge werden ausschließlich unternehmerischen Zwecken und der Förderung volks- und alltagskultureller Projekte zugeführt.

Das Heimatwerk Salzburg 1942 - 1945

Spätestens seit der 1938 erfolgten Annexion Österreichs an das Deutsche Reich suchte das Deutsche Heimatwerk Kontakt zu österreichischen Werkstätten und bemühte sich im Gegenzug um eine Präsentation deutscher Erzeugnisse in der Ostmark. In Wien hatte man wenig Erfolg, anders in Salzburg, wo Anfang Oktober 1940 ein Deutsches Heimatwerk als Verkaufsstelle in der Bismarckstraße 4 eingerichtet wurde. Unter Verzerrung einiger Tatsachen versuchte das Salzburger Volksblatt das Deutsche Heimatwerk mit dem Steirischen Heimatwerk gleichzusetzen. Einigen Salzburger NS-Funktionären, vornehmlich der Landesbauernschaft war dieses Deutsche Heimatwerk jedoch ein Dorn im Auge, war doch bekannt, dass es in Salzburg spätestens seit 1938 Pläne zur Schaffung eines Heimatwerks nach Grazer bzw. Innsbrucker Vorbild gab. Gegen die ausdrücklichen Anweisungen des Reichsbauernführers plante die Salzburger Landesbauernschaft eine Konkurrenzgründung zum Deutschen Heimatwerk in Salzburg, welche am 16.12.1942 durch den Gauleiter und Reichsstadthalter Adolf Scheel als „Heimatwerk Salzburg“ gegründet wurde. Es war ein Paradebeispiel dessen, wie der Begriff „Heimat“ in der NS-Zeit für ideologische Zwecke missbraucht wurde und daraus eine „Volksbewegung“ über allen Organisationen entstehen sollte.

An der Spitze stand der Gauleiter selbst, ihm untergeordnet der so genannte Gaukulturrat, der sich aus 15 Funktionären und Parteimitgliedern zusammensetzte. Darüber hinaus wurden besondere Beauftrage für einzelne Arbeitsgebiete berufen, so auch Tobi Reiser für das Gebiet Volksmusik. Bis auf Ortsebene war die entsprechende Organisation aufzubauen, „damit die Arbeit des Heimatwerkes Salzburg wirklich den einzelnen Menschen und die kleinste Zelle unseres Reichsgaues erfasst.“ (Salzburger Zeitung, 17.12.1942) Es wurde als Gemeinschaft für Volks- und Brauchtumspflege gesehen, die eine Volksbewegung über allen Organisationen sein sollte. Helmut Amanshauser wurde mit der „fachlichen Schulung der Beauftragten und Mitarbeiter“ betraut und bemühte sich auch dort um die „Erziehung zum artgebundenen bodenständigen Handwerk“ und die Fortsetzung „germanischer Tradition“. Das Heimatwerk vergab – wie die in Graz, Linz und Wien – eine Wertmarke, die dem „Wappen des Reichsgaues Salzburg“ ähnelte und von einer „Odalrune gekrönt“ wurde. Es gab jedoch keine Verkaufsstelle vom „Heimatwerk Salzburg“. Ein solche betrieb nur das Deutsche Heimatwerk, welches im Zuge lokaler Streitigkeiten um Kompetenzen und die Richtung der Kulturpflege zunehmend zwischen die Fronten geriet, jedoch bis 1945 existierte.

Das Vorarlberger Heimatwerk

Anstoß zum Heimatwerk kam vom Fremdenverkehrsverband

"Während die meisten der österreichischen Heimatwerke und jene im benachbarten Ausland ihren Ursprung im bäuerlichen Lebens- und Wirtschaftsbereich hatten, war es in Vorarlberg der Landesfremdenverkehrsverband, der am Zustandeskommen der Einrichtung eines Vorarlberger Heimatwerks maßgeblich beteiligt war. Die Bemühungen reichen zurück in die Jahre 1937/38 und liegen teilweise in der sprichwörtlichen Sparsamkeit der Alemannen. Der Fremdenverkehrsverband war nämlich darauf angewiesen, Werbung mit möglichst geringen Mitteln zu betreiben, ja sogar dabei unter Umständen noch etwas zu verdienen. Dabei dachte man an das "gute Reiseandenken".

Besinnen auf Werte

Der damalige Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbandes, Dr. Herbert Sohm, machte sich auf den Weg, um im Land nach geeigneten Produkten oder zumindest Erzeugungsstätten zu suchen. Es begann mit Ledertaschen aus dem Bregenzerwald mit Motiven aus der Trachtenstickerei. Es folgten Keramik und andere Gebrauchsartikel und Andenken. Der Krieg brachte diese guten Anfänge zum Erlöschen. Nach Kriegsende war es wieder der Landesfremdenverkehrsverband, der sich mit den Gedanken über ein Vorarlberger Heimatwerk konkret befasste, wobei die Beweggründe, die dazu führten die selben blieben: Besinnungen auf die Werte der Heimat, ihre althergebrachte Kultur und Schönheit.

Gründung 1958

Mit diesen Aufgaben vor Augen wurde am 27. Juni 1958 der Verein Vorarlberger Heimat gegründet. Der Vereinszweck: Förderung, Pflege und Überlieferung der Vorarlberger Volkskultur. Diesen sehr ideellen Zielen und Bestrebungen folgten die materiellen und zwar durch die Verbreitung und Vermittlung von Erzeugnissen des heimischen Handwerks und Hausfleißes in Vorarlberg. Die Marke "Vorarlberger Heimatwerk" in der breiten Angebotspalette des Kunsthandwerks wurde in den Mittelpunkt der Verkaufsideologie gestellt.

Mit dem Lauf der Jahre entwickelte sich das Vorarlberger Heimatwerk zunehmend auch dank einer eigenen Trachtenabteilung mit breitgestreutem Stoffangebot zu einer wichtigen Trachtenberatungsstelle im Land, die heute nach wie vor einen hohen Stellenwert im Haus einnimmt.

 

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